A.2 Alle Höfe bleiben! Potentiale regionaler Ernährungsstrategien für eine sozial-ökologische Transformation des globalen Ernährungssystems

  • 2019-08-05, 10:00–12:30, Tent 12
  • 2019-08-06, 10:00–12:30, Tent 12
  • 2019-08-07, 10:00–12:30, Tent 12
  • 2019-08-08, 10:00–12:30, Tent 12

Das globalisierte und industrialisierte Ernährungssystem ist ein zentraler Treiber globaler Ressourcenausbeutung, Klimaveränderungen und Ungerechtigkeit. Dem stellen wir die sozial-ökologischen Potentiale regionalisierter und demokratischer Ernährungssysteme gegenüber. Anhand eines Planspiels entwickeln wir einen Ernährungsrat sowie Strategien zur aktiven Gestaltung der Ernährung vor Ort. Der Kurs bietet Anregungen fürs eigene Handeln und die zukünftige Arbeit von Ernährungsräten.


Der Kurs ‚Alle Höfe bleiben!‘ widmet sich Ansätzen zur Lösung sozial-ökologischer Herausforderungen des globalisierten Ernährungssystems auf lokaler Ebene. Wir beschäftigen uns mit Ernährungsräten und Ernährungsstrategien als Mittel, das regionale Versorgungssystem zu demokratisieren sowie sozial- und umweltgerechter zu gestalten.

Unser Ernährungssystem beinhaltet Produktion, Verarbeitung, Transport, Vertrieb, Konsum und Entsorgung von Nahrungsmitteln. Durch die zunehmende räumliche und zeitliche Entkopplung von Produktion und Konsum wird es immer schwieriger, diese Prozesse zu überblicken.
Was wir essen ist eingebunden in ein globalisiertes und industrialisiertes Ernährungssystem, welches von enormer Ausbeutung unserer natürlichen Lebensgrundlagen und sozialer Ungerechtigkeit geprägt ist. Charakteristisch dafür stehen die Überschreitung der planetarischen Grenzen, die Verdrängung von Produzent*innen im globalen Süden und die steigende Abhängigkeit von Großkonzernen. Eine selbstbestimmte und zukunftsfähige Ernährung wird zunehmend gefährdet.

Unser Essen ist politisch und es gibt parallel eine starke globale Bewegung für Ernährungssouveränität, welche u.a. durch La Via Campesina oder Nyéléni verkörpert wird. Die Menschen, die Lebensmittel produzieren und konsumieren stehen hier im Mittelpunkt des Ernährungssystems.
In diesem Kontext steht auch das global erprobte Konzept der Ernährungsräte, welches sich nun auch in Deutschland vermehrt etabliert, um das lokale Ernährungssystem sozial-ökologischer, transparenter und vor allem demokratischer zu gestalten. Wie Ernährungsräte arbeiten, wie sie gegründet werden können, was sie bewirken können und wie jede*r selbst aktiv werden kann, ist der Hauptfokus des Kurses.

Wir teilen den Kurs dazu in vier Einheiten und beginnen am 1. Tag mit den sozial ökologischen Herausforderungen des heutigen Ernährungssystems. Dabei soll es nicht nur um die Überschreitung der planetarischen Grenzen gehen, sondern auch um soziale und sozio-kulturelle Perspektiven – wie z.B. Landflucht, Landraub, Höfesterben, Machtstrukturen oder Zeitdruck in der Non-Stop-Gesellschaft.

Am Tag 2 wird es um die Potentiale regionaler Ernährungssysteme gehen. In Kleingruppen werden die Chancen regionalisierter Systeme herausgearbeitet. Dazu gehören z.B. Ernährungssouveränität, Gesundheit und Verbraucher*innenschutz, Transparenz und Demokratie, Umwelt- und Klimaschutz u.v.m..

Der dritte Tag widmet sich dann konkreten Lösungsstrategien auf lokaler Ebene. In einem Planspiel gründen die Teilnehmer*innen einen Ernährungsrat und entwickeln gemeinsam eine regionale Ernährungsstrategie.

Der Kurs endet mit einer Reflexion auf persönlicher Ebene. Am 4. Tag wollen wir uns mit unserer eigenen Rolle und den Herausforderungen in der Umsetzung eigener Ideen beschäftigen. Darin gibt es Reflexionsphasen, eine kollegiale Beratung zu konkreten Fragen der Teilnehmenden und hoffentlich einen motivierenden Abschluss.


Prerequisites for participants – Der Kurs ist für Einsteiger*innen geeignet. Ein Bezug zu regionalen Ernährungsstrukturen ist von Vorteil aber kein Muss. Eine gemischte Gruppe, z.B. aus ‚Verbraucher*innen – Perspektive, Landwirtschafts & Ernährungs Praxis, politischer Arbeit und Wissenschaft ist ausdrücklich erwünscht.